Grundstücks-Geschichte

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Familie im Wohnzimmer beim Fernsehen.
Photo: Fr Lawrence Lew, O.P.

Die katholische Kirche hat es schwer in Berlin. Nicht allein, dass es in dieser Stadt viele Atheisten oder gar Muslime gibt; nein, auch die Anhänger der christlichen Religion sind meist bekennende Protestanten.

Da fällt nicht viel Kirchensteuer ab, und viel Platz für neue Gemeindehäuser ist auch nicht vonnöten. Was liegt also näher, als sich von seinen irdischen Besitztümern zu trennen? Natürlich gegen die Zahlung nicht unerheblicher Beträge, die die römisch-katholische Kirche — soweit ich weiß — ausschließlich unter den Bedürftigen verteilt. Nicht wahr?

Und so trennte sich der Bischöfliche Stuhl von Berlin am 16. Mai 2008 von einem Grundstück an der Ecke Meyerbeer-/Gürtelstraße im Bezirk Weißensee.

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Die letzten Bewohner

Auf dem Gebiet befand sich davor der Sitz der Caritas Brandenburg nebst Kita und Hort “St. Josef”. Im derzeit leerstehenden Gebäude in der Gürtelstr. 7 befindet sich sogar noch eine (allerdings komplett leere) Kapelle.

Noch früher war hier ein katholisches Kinderheim, ein Hort und eine Spielschule:

Da wegen Überbelegung ein Neubau notwendig war, rief man mit einem Gedicht zum Spenden auf.

“Einen Neubau auszuführen,
ist bei unsrer Armut hart,
denn die Meister kalkulieren
50.000 Mark.
Edlen Freunden wir vertrauen,
mögen sie uns helfen bauen.”

Bevor das Grundstück der Kirche gehörte, war es Ackerland. Oder besser: ein Tümpel, umgeben von Ackerland:

Das Grundstück um 1850, Straßen zur Orientierung eingezeichnet.Quelle: FIS-Broker
Das Grundstück um 1850, Straßen zur Orientierung eingezeichnet.
Quelle: FIS-Broker

Doch zurück zur katholischen Kirche. Die Caritas Brandenburg fusionierte im Jahr 2005 mit der Berliner Dependance und zwei weiteren Regionalverbänden, sodass für das Grundstück keine Verwendung mehr bestand, nachdem die Kita einen neuen Standort fand.

Das Gebiet sollte laut Sanierungsplan der Stadt mit Wohnungen bebaut werden und der Käufer des Grundstücks, die Karat-Storm GmbH, wollte dies auch umsetzen.

Das Projekt nannte sich Komponistenhof und sollte laut Prospekt eine “Zukunftsorientierte Geldanlage in der immer teurer werdenden Stadt Berlin für umweltbewusste junge Familien und für alle, die sich Wohnungen mit hohem Komfort und Qualitätsstandard wünschen” werden.

Für 15 Millionen Euro sollte laut Architekten ein ökologisches Haus mit “innovative[n] Techniken […] wie Lehmputz-Wandheizung, Solarthermie und Moos-Begrünungssysteme[n] zur Sauerstoffanreicherung und Feinstaubreduzierung der Raumluft in kontrollierten Zuluft-Filtern” entstehen.

Dazu kam es jedoch nie.

Warum genau, darüber kann ich nur spekulieren — aber vermutlich ist die Tatsache, dass die damaligen Investoren im Bau solch großer Immobilien eher unerfahren waren, nicht gerade von Vorteil gewesen.

Das Projekt wurde jedenfalls im Laufe der Jahre beerdigt, die Geschäftsführer der Karat-Storm GmbH wechselten (unter anderem an den Vorsitzenden des Anglervereins Springpfuhl) und schließlich wurde das Grundstück am 23.03.2012 an die BWD Objektgesellschaft Berlin VI. mbH & Co. KG verkauft, die hier jetzt die Komponistengärten baut.

Hoffentlich mit einem besseren Ergebnis. Wenn das Geld knapp wird, hätte ich aber schon mal ein Gedicht auf Lager.

Hinweis: Dieser Artikel wurde gegenüber einer früheren Version leicht geändert.

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Hinweis: Bei dieser Website handelt es sich um ein privates Blog. Wenn Sie nähere Informationen zum Bauprojekt "Komponistengärten" in Berlin Weißensee suchen, besuchen Sie bitte die offizielle Website der Komponistengärten oder wenden Sie sich an die Verkäufer der Strategis AG.