Verdrängung

Photo: bhrgero
Photo: bhrgero

 

Das Thema Gentrifizierung ist ja in tatsächlich aller Munde — es ist kein Modewort, sondern Ausdruck eines tatsächlichen Problems. Wann immer ich mich mit Leuten unterhalte, kommen wir früher oder später auf das Thema Wohnen in Berlin — und alle haben ähnliche Geschichten.

Neulich habe ich mich mit einer Frau im Bus unterhalten (mache ich nicht ständig, die Kinder sind da aber ein ganz guter Katalysator), deren Wohnung gerade saniert wird und die derzeit also in einer “geliehenen” Wohnung leben. “Na hoffentlich lassen die euch nach der Sanierung zurück, man hört ja so einiges”, bemerkte ich etwas im Scherz.

Sie seien schon einmal zurück gewesen, allerdings hätte sich die vermeintliche Sanierung als Zerstörung der Wohnung herausgestellt.

Das Haus wird in Eigentum umgewandelt, außer ihnen wohnt dort nur noch eine WG zur Miete. Es habe auch schon Angebote von Prämien bei Auszug gegeben, allerdings stelle sich die Frage: wohin umziehen? Wohnen zur Miete in der Innenstadt wird zunehmend auch für Leute mit normalem Einkommen unbezahlbar.

Im Prinzip geht es uns in unserer jetzigen Wohnung ähnlich, nur dass es bei unserem Haus noch nicht ganz so weit ist. Es wurde Anfang 2012 von den skandinavischen Besitzern an die Gräfin von Solms verkauft und nun Wohnung für Wohnung in Eigentum umgewandelt. Zwei Wohnungen haben bereits neue Besitzer.

Fassadensanierung (inklusive 50 Euro Modernisierungsumlage im Monat) und Balkonanbau haben wir schon hinter uns, bisher wurde noch kein Mieter zum Auszug genötigt — aber uns stellt sich die Frage: Wie lange noch? Was kommt noch?

Umziehen in unserem Viertel, unserem Bezirk kann man völlig vergessen. Wir zahlen derzeit etwa 6 Euro pro Quadratmeter kalt, dafür kriegt man jetzt nicht mal mehr ne Besenkammer.

Auch das ist ein Grund für unseren Wohnungskauf: Sicherheit, dass uns da keiner rauswirft, solange wir die Raten zahlen können — deren Entwicklung wir zumindest absehen können.

Uns hat es sehr gefreut, dass der Neubau niemanden verdrängt — das Gebiet ist eine Brache, die derzeit vollkommen ungenutzt ist.

Nun musste ich heute feststellen, dass doch jemand verdrängt wurde, und zwar schon im Jahr 2008. Da war an dieser noch das Projekt “Komponistenhof” geplant, zu dem ich in einem späteren Beitrag noch etwas schreiben werde. Im Zuge dessen bekam das Grundstück einen neuen Eigentümer, der den Mietvertrag mit dem Nutzer nicht verlängerte. Und so wurde am 30.08.2008 die KfZ-Werkstatt Peter Siegel aus dem Viertel herausgentrifiziert.

Tja. Irgendwie bleibt man immer der Arsch.

(Update: Natürlich ist in diesem Fall der Begriff der Gentrifizierung eine Überspitzung. Was genau das Ende der Siegelschen Werkstatt begründete, bleibt offen; auch wenn der Link oben nahelegt, dass der Mietvertrag nicht verlängert wurde. Insgesamt habe ich aber ein gutes Gewissen bei dem Projekt — schließlich ist das Gebiet schon seit vielen Jahren eine Brache.)

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Hinweis: Bei dieser Website handelt es sich um ein privates Blog. Wenn Sie nähere Informationen zum Bauprojekt "Komponistengärten" in Berlin Weißensee suchen, besuchen Sie bitte die offizielle Website der Komponistengärten oder wenden Sie sich an die Verkäufer der Strategis AG.